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Die Wahl von Budapest als Standort für die diesjährige Generalversammlung - auch angesichts des 50. Jahrestags der ungarischen Revolution von 1956 – erwies sich als eine richtige. Zahlreiche Mitglieder kamen, auch solche, die den Weg u.a. auch aus Brasilien, Australien und Südafrika nicht scheuten. Dass sich Budapest angesichts von fünf Gegenkandidaten als Tagungsort durchsetzen konnte, war auch eine klare Anerkennung für die erfolgreiche Tätigkeit eines jüngeren Mitglieds, der ungarischen SwissCham, betonte Präsident Jürg Schweri zur Eröffnung.

István Béres, Präsident der Gastgeberorganisation, konnte das unter Beweis stellen. Die vor zehn Jahren gegründete Budapester Kammer, die seit 2001 zu SwissCham gehört, hat über 100 Mitglieder, darunter multinationale Unternehmen ebenso wie KMU, und konnte sich eine nicht unbedeutende Rolle sichern: Swisscham Hungary war unlängst einer der Initiatoren des Aufrufs der Wirtschaft an die künftige ungarische Regierung, unverzüglich und rasch das Staatsbudget auszubalancieren und die unabdingbaren großen Reformen durchzuführen. Csilla Halász, Generalsekretärin der Swisscham Hungary, konnte berichten, dass die Mitglieder stets aus erster Hand durch erstrangige Experten über die wirtschaftlichen Entwicklungen und Probleme Ungarns informiert werden. Die Kammer finanziere sich – dürftig – durch die Mitgliedsbeiträge. Versuche der ersten Jahre, bei verschiedenen schweizerischen Organen zumindest die Tätigkeit im Bereich der Exportförderung zu honorieren, blieben ohne Erfolg. In Ungarn übrigens sei die Kooperation zwischen den gemischten Kammern eng, sogar vorbildlich. Dadurch sei ihre Lobbytätigkeit sehr stark und teilweise sehr effektiv.

Dass zumindest ein Teil des erwähnten, großes Aufsehen erregenden Aufrufs ernst genommen wird, davon zeugte das Referat des Unterstaatssekretärs im Wirtschaftsministerium, Ábel Garamhegyi. Der 37-jährige Fachmann, der nach internationalen Lehraufträgen und Wirtschaftserfahrungen in den Staatsdienst kam, bezeichnete die Lage der ungarischen Wirtschaft als allgemein gut – doch Reformen als unabdingbar. Die Verwaltung sei der Wirtschaft entfernter als je zuvor, die Zahl der öffentlich Bediensteten das Mehrfache von dem, was wirklich nötig ist. Allein die Abschaffung der 19 Komitate könnte 50 Mrd. Ft einsparen. Solche Gelder sollten u.a. für die Erhöhung der Ausgaben für F&E eingesetzt werden. Ungarns Weg sei nicht das Wetteifern mit den Nachbarländern, wer niedrigere Löhne und Steuern anbieten kann, sondern der Versuch, bei Innovationen mit den Großen mitzuhalten und Eigenleistungen in Forschung und Hightech zu bieten, so der Staatssekretär des Gastlandes.

Neue Wege in der Exportförderung
In den Referaten der Schweizer Teilnehmer standen u.a. die Neuigkeiten der Osec-Beratung, die Kontakte der SwissCham zur International Chamber of Commerce im Mittelpunkt. Interessant war zu erfahren, wie und warum die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen Schweiz-USA letztlich zu keinem Erfolg führten. Nicht weniger interessant, dass die Zürcher Handelskammer ihre Geschichte bis 1662 zurückführen kann...
Das meiste Interesse konzentrierte sich auf die Tätigkeit und Zukunft der Osec bzw. ihre Zusammenarbeit mit den Kammern. Wie Rolf Jeker, Vorsitzender des Osec-Aufsichtrates erkennen ließ, soll auch auf dem Gebiet der Exportförderung das Subsidiaritätsprinzip gelten und Zweigleisigkeit vermieden werden. Anstatt Konkurrenz soll eine breitere Zusammenarbeit angestrebt werden.

Für ein Zusammenziehen der Exportförderungsorganisationen sprach sich auch Jean- Daniel Gerber, Staatssekretär SECO aus, der anlässlich der Tagung nach Budapest kam. Es gilt, gemeinsam die Wege der Zukunft zu finden und auf berechtigte Kritiken an die Adresse von Osec und SECO entsprechend zu reagieren. Gerber betonte die Gemeinsamkeiten der Schweiz und Ungarns, was den Exportzwang betrifft, und lobte die beispielhaften Wirtschaftsreformen das Gastlandes. Er bezeichnete die EU-Erweiterung als vollen Erfolg aus Schweizer Sicht, wobei die von manchen befürchtete Überschwemmung durch Arbeitskräfte aus dem Osten ausblieb.

Auf einem Festessen konnten sich die Delegierten auch mit Wirtschaftsminister János Kóka (Jahrgang 1972, aus der liberalen Partei SZDSZ) bekannt machen. Dieser musste wegen der laufenden Verhandlungen über die Regierungsbildung als Redner ausfallen.

SwissCham wird erweitert
Der zweite Tag der GV brachte die Erweiterung der Organisation: die Arabische, (eine) Bulgarische, die Baltische und die Indische Handelskammer der Schweizer Wirtschaft wurden als Vollmitglieder, ihre Schwesterorganisationen aus Polen, der Slowakei, Schweden und wieder Bulgarien als korrespondierende Mitglieder aufgenommen. So hat SwissCham weltweit insgesamt 53 Mitgliedsorganisationen.
Dass sie alle sparsame Schweizer sind, zeigte die erregte Debatte, ob man die Generalversammlung einmal außerhalb Europas veranstalten sollte. Die Mehrheit lehnte dies (Zielpunkt Bombay) aus Kostengründen ab und entschloss sich für Paris.

Zum Abschluss würdigte der Schweizer Botschafter in Budapest, Marc-André Salamin, Ungarn als „ stabilen, dynamischen und verlässlichen“ Partner. Die Korruption sei zurückgegangen, die Arbeit der Gerichte habe sich verbessert, doch „die Bürokratie ärgert noch“. Immerhin sei Ungarn, wo sich seit dem EU-Beitritt die Bedingungen für die Schweizer Wirtschaft verbesserten, ein wichtiger Partner geworden: das kleine Land sei ja an den auch die Schweiz betreffenden Beschlüssen der Union beteiligt.

Großen Beifall erhielt der Vortrag des Universitätsdozenten und früheren NZZ-Redakteurs, Andreas Oplatka, über „Die Revolution von 1956 aus Schweizer Perspektive.“ Ein Ereignis, zu dem eben die Eidgenossen eine besondere Affinität hatten: lernten ja sie selbst, dass der Widerstand gegen die Gewalt der Großen langfristig Erfolg haben kann. 14 000 ungarische Flüchtlinge, darunter der Redner, fanden seinerzeit Aufnahme in der Schweiz.
Von A. Heltai-Hopp







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